Kletterwochenende am Ortler

037 Ortler August 2014 (Custom)Nachdem das Klettern im Ortlergebiet letztes Jahr wegen schlechtem Wetter abgesagt werden musste, stand es auch für heuer wieder als Höhepunkt der Wandersaison 2014 im Sommerprogramm des SWV-Fischach.
So machten sich Helmut, Walter und Werner Angerer am frühen Morgen des Mariä Himmelfahrtstages auf nach Sulden (Tirol), an den Fuß der Ortler Nordwand.

Werner Angerer berichtet:
In Sulden wurden wir leider von Nebel und leichtem Regen empfangen. Davon jedoch unbeeindruckt, und gestärkt durch ein zweites Frühstück, sind wir zur 3020m hoch gelegenen Payerhütte losmarschiert, die uns für die nächsten 2 Tage als Ausgangspunkt für unsere Aktivitäten am und auf den Ortler dienen sollte.

003 Ortler August 2014 (Custom)Auf dem 3 1/2 stündigem Weg nach oben haben sich Regen, Nebel und manchmal auch Sonnenschein immer wieder abgewechselt. So ca. eine 1/2 Std vor der Hütte fing es schließlich auch noch an zu graupeln, das mit jedem Höhenmeter dichter und dichter wurde. Nass und durchgefroren waren wir froh, die wärmende Hütte erreicht zu haben.
Für Samstag war glücklicherweise Wetterbesserung angesagt und am Sonntag sollte es sogar richtig schön werden.
Optimistisch und frohen Mutes sind wir so am Samstagmorgen, bei leichter Bewölkung aber ansonsten trockenem Wetter und nur mit leichtem Gepäck zum Einstieg des Tarabetta Klettersteigs auf 2550m hinuntergegangen.
Im Internet wird dieser als "einer der Könige unter den alpinen Klettersteigen" bezeichnet. Weiter heißt es: "das wilde Ambiente der Ortler Nordabbrüche lässt beim Zustieg bereits erahnen, was auf den Kletterer zukommt.

009 Ortler August 2014 (Custom)Schon bei der ausgesetzten Querung ab der Tabarettahütte ist gute Trittsicherheit gefragt, bevor die über 500 Meter hohe glatte Felswand dann alles von einem fordert. Mit seiner Schlüsselstelle - der 'gelen Knot' -, eine 15m lange, senkrechte, glatte Wand ohne Tritte gehört er zu den schwierigsten überhaupt".
An der Schlüsselstelle angekommen, konnten wir direkt sehen wovon die Rede ist. Denn unmittelbar vor uns mühten sich gerade zwei Kletterer mit dieser schwierigen Querpassage ab, was uns noch Gelegenheit gab die wohl beste Technik für die Bezwingung zu besprechen. In der Wand hängend war vieles davon aber schnell hinfällig. Und so hat die 'gele Knot' letztendlich jeder auf seine individuelle Art gemeistert.
Froh es geschafft zu haben, lag noch ca. 1/3 des Steiges vor uns. Auch dieses letzte Stück barg noch weitere schwierige Stellen (C, D), die mit dem was wir bereits hinter uns hatten aber nicht zu vergleichen waren. Am Ausstieg auf ca. 3050m angekommen rissen die Wolken auf und gaben uns zum ersten Mal den Blick auf die weiße Kuppe von "König Ortler" frei. Unser Ziel für den kommenden Tag -?


029 Ortler August 2014 (Custom)Am Sonntagmorgen klingelte der Wecker bereits um 4:30 da es nur bis 5:00 Frühstück gab. Mit unserem Aufstieg haben wir dann aber noch bis zum Tagesanbruch gewartet, weil uns die Begehung des hoch Alpinen Geländes mit Stirnlampe ganz einfach zu gefährlich schien. Um ca. 6:30 ging es dann los. Auf dem so genannten "Felsenweg" querten wir die Nordwestflanke der Tabarettaspitze und stiegen über felsiges, stark ausgesetztes Gelände hoch bis zum "Wandl", dem einzigen mit Versicherungen (Kette) versehenen Teilabschnitt. Nach der Querung der folgenden steilen Traverse (beim Rückweg mussten wir uns hier teilweise Abseilen) gelangten wir zum Ausläufer des Gletschers, dem sog. Bärenloch. Hier haben wir unsere Steigeisen angelegt und eine 3er Seilschaft gebildet. Auf dem mit Neuschnee belegten Gletscher ginge es dann gleich sehr steil hinauf zum 3300m hoch gelegenen Tschierfegg wo ein Biwak für Notfälle bereitsteht. Am Biwak vorbei folgte ein spaltenreiches Gelände und ein ca. 35 Grad steiler Hang, den wir nur im Tippelschritt überwinden konnten.

037 Ortler August 2014 (Custom)Oberhalb erreichten wir schließlich das sanftere Ortler-Plateau wo es "mäßig" ansteigend weiter ging. Aufgrund des frischen Schnees, der immer dünner werdenden Luft und dem sehr kalten Wind war dieses Stück jedoch keinesfalls weniger anstrengend und so waren wir mehr als glücklich als wir auf dem 3905m hoch liegenden Gipfelkreuz angekommen sind. Dort hat uns ein grandioser Ausblick auf die umliegenden Berge und Täler bis hinauf zum Reschensee für die Strapazen des 4 1/2 stündigen Aufstiegs entlohnt.
Die niederen Temperaturen und der eisige Wind ließen einen längeren Gipfelaufenthalt jedoch leider nicht zu und so haben wir uns schon bald wieder an den Abstieg gemacht.
Geschafft aber sehr zufrieden - und auch ein wenig stolz auf uns den höchsten Berg der Ostalpen bestiegen zu haben - sind wir schließlich nachhause gefahren.